GERMAN
Artikel für Brennpunkt Wirtschaft Februar 2007
[Auszug]
Entscheidungen aus den Gerichtssälen
Banken müssen auf „sollzinsenfrei“ verfügbares Guthaben hinweisen
Informieren Banken auf den Kontoauszügen ihrer Kunden nicht darüber, welches Guthaben sie ohne die Berechnung von Sollzinsen haben und zahlt der Kunde ungewollt die Zinsen, dann ist das irreführend und verstößt gegen Wettbewerbsrecht.
In dem aktuell entschiedenen Fall vor dem Bundesgerichtshof (BGH) klagte der Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen eine Sparkasse. Ein Bankkunde erhielt von der Bank einen Kontoauszug, der ein Guthaben von ca. 120 Euro aufwies. Noch am gleichen Tag hob er 110 Euro ab. In dem Guthabensaldo von ca. 120 Euro waren noch 97 Euro enthalten, die bereits gebucht wurden, aber noch nicht wertgestellt waren. Eine Wertstellung erfolgte erst ca. fünf Tage nach der Kontoauszugserstellung. Deshalb gelangte der Bankkunde ins Soll und musste Zinsen zahlen. Buchungs- und Wertstellungstag wurden getrennt aufgeführt. Allerdings wurde der deutlich gekennzeichnete Kontostand am Ende der Kontoauszüge mit dem Betrag versehen, der noch den nicht wertgestellten Betrag enthielt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen klagte wegen irreführender Gestaltung der Kontoauszüge auf Unterlassung.
Der BGH entschied, dass die Bank diese Kontoauszüge nicht mehr verwenden dürfe. Denn der Bankkunde könne die Kontoauszüge missverstehen. Dem durchschnittlichen Bankkunden werde der Anschein vermittelt, er könne über den gesamten Betrag ohne Berechnung von Sollzinsen verfügen. Die Bankkunden würden zu ungewollten Kontoüberziehungen und schließlich zur Entgegennahme von entgeltlichen Dienstleistungen veranlasst, so dass mit der irreführenden Gestaltung der Kontoauszüge eine Wettbewerbshandlung gegeben sei. (BGH vom 11.01.2007, I ZR 87/04; PM Nr. 6/07 vom 16.01.2007)
ENGLISH
Article for Brennpunkt Wirtschaft February 2007
[Excerpt]
Courtroom Decisions
Banks Must Show Available “Interest-free” Credit Balance
Banks failing to inform customers is misleading and competition laws are broken when banks don’t inform customers about earned interest on their credit balances in bank statements and customers unintentionally pay interest.
The Federation of German Consumer Organizations filed a suit against a bank in a recently decided case before the German Federal Court of Justice (FCJ), the highest court of the Federal Republic of Germany in civil and criminal matters. A customer received a bank statement which showed a credit balance of about 120 euro. He withdrew 110 euro on the same day. Within the credit balance of about 120 euro, 97 euro were held which were already booked but still weren’t value dated. A value dating didn’t follow until about five days after the bank statement was issued. For this reason, the bank customer overdrafted on his account and had to pay interest. The booking and value-dating day were itemized separately. Indeed, the clearly marked account balance at the end of the bank statement stated an amount that didn’t yet contain the value dated amount. The Federation of German Consumer Organizations filed a suit for neglect due to the misleading layout of the bank statement.
The FCJ ruled that the bank wasn’t allowed to use these bank statements anymore because the bank customer could possibly misunderstand them. It appeared to the average bank customer that the entire amount would be at their disposal without the calculation of debit interest. A trespass of the competition act arose in the misleading layout of the bank statement in that customers were caused to unintentionally overdraw and ultimately accept nongratuitous services. (FCJ from 01/11/2007, I ZR 87/04; PM Nr. 6/07 from 01/16/2007)